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Flûte d'Alsace - die Flasche des Elsass

Schlank, hoch und seit 1955 per Dekret beschrieben: Form, Rechtslage und die erste Lockerung nach siebzig Jahren.

Rund 79 Millionen Flaschen Stillwein hat das Elsass 2024 ausgeliefert, und für jede davon kannte das Regelwerk nur eine Form: hoch, schmal, mit langem, sanft auslaufendem Hals. Die Flûte d'Alsace ist keine Vorliebe der Winzer. Sie ist seit 1955 per Dekret beschrieben, seit 1959 wenigen Appellationen vorbehalten und heute im EU-Recht geschützt. Im Mai 2025 hat Frankreich die Regel gelockert - vorsichtig und in Verhältniszahlen.

Die kurze Antwort

Die Flûte d'Alsace ist die schlanke Rheinweinflasche, in der die stillen Weine der AOC Alsace und der 51 Grands Crus abgefüllt werden - bis Mai 2025 ausschließlich, seither auch in etwas breiteren Flaschen mit festgelegten Proportionen. Seit einem Gesetz von 1972 darf dieser Wein nur im Elsass abgefüllt werden. Die EU reserviert die Form für das Elsass und sieben weitere französische Herkunftsbezeichnungen. Crémant d'Alsace fällt nicht unter die Regel.

Woran man die Flûte erkennt

Die Flûte ist die schmalste unter den gängigen Weinflaschen. Der Körper steigt gerade auf und geht ohne ausgeprägte Schulter in einen langen Hals über. Anhang VII der Delegierten Verordnung (EU) 2019/33 fasst das in zwei Proportionen: Die Flasche ist etwa fünfmal so hoch, wie ihr Boden breit ist, und der gerade, zylindrische Teil macht ungefähr ein Drittel der Gesamthöhe aus. Die übrigen zwei Drittel laufen als Schulter und Hals allmählich zu.

Handelsübliche Flûtes sind etwas fülliger als dieses Idealmaß. Eine 75-cl-Flûte aus dem Katalog des Glasherstellers O-I misst 329 Millimeter in der Höhe und 75,2 Millimeter im Durchmesser, das Verhältnis liegt damit bei 4,4 zu 1. Neben einer Bordeaux- oder Burgunderflasche mit 78 bis 90 Millimetern Durchmesser wirkt sie trotzdem wie aus einer anderen Familie. Es fehlt die Schulter.

Im deutschen Sprachraum heißt diese Familie Schlegel- oder Hochflasche. Das Weinlexikon von wein.plus nennt sie die häufigste Weißweinflasche in Österreich, Deutschland, der Schweiz und dem Elsass und führt die Flûte als elsässische Spielart, neben der Rheingauer Flöte. Auch der französische Amtsname verweist auf den Fluss und nicht auf die Region: Das Dekret Nr. 55-673 vom 20. Mai 1955 regelt die „bouteille type vin du Rhin", die Flasche vom Typ Rheinwein. Warum die Form so schmal ausfiel, wird meist mit dem Transport auf dem Rhein erklärt - mehr dazu unter Flaschenformen.

Eine Farbvorschrift gibt es nicht, weder im Pflichtenheft noch im EU-Anhang. Glashütten liefern die Flûte in Grüntönen und in Nuancen mit Namen wie „feuille morte" (welkes Laub) oder „chêne" (Eiche). Château-Grillet an der nördlichen Rhône verkauft seinen Wein seit mindestens 1959 in brauner Flûte.

Drei schlanke Flûte-Weinflaschen in dunkelgrünem, olivgrünem und braunem Glas auf einem Holztisch am Rand eines Weinbergs
Gerader Körper, keine Schulter, langer Hals: Die Verjüngung zieht sich über zwei Drittel der Flasche.
Merkmal Wert
Standardinhalt 75 cl
Höhe zu Bodendurchmesser laut EU-Anhang etwa 5 : 1
Gerader Teil laut EU-Anhang etwa ein Drittel der Höhe
Beispiel aus dem Handel, 75 cl 329 mm hoch, 75,2 mm breit
Verhältnis dieser Flasche 4,4 : 1
Erlaubter Rahmen seit 2025, 75 cl 3,8 : 1 bis 5,1 : 1

Kürzer seit 1988

Die heutige Flûte ist nicht mehr die von 1955. Das Pflichtenheft von Château-Grillet hält die Entwicklung an den eigenen Flaschen fest. 1969 stand auf den Etiketten noch kein Volumen, die Flasche fasste vermutlich 62 oder 68 Zentiliter. Ab 1980 nennen die Etiketten 750 Milliliter. Seit 1987 sind die Flaschen kürzer, bei gleichem Inhalt - als Folge einer Regeländerung, die ab dem 31. Dezember 1988 für alle Flaschen vom Typ Vin du Rhin galt.

Die französische Glasnorm NF H35-053 zeigt denselben Übergang: In der Fassung von 1980 beschrieb sie eine Flûte mit 70 Zentilitern, in der Ausgabe von 1992 die leichte Flûte mit 75 Zentilitern. Wer eine alte Elsass-Flasche aus den Siebzigern im Keller findet, erkennt sie oft schon an der Höhe.

Von der Rheinweinflasche zur Pflicht: 1955 bis 1972

Die Flûte wurde nicht auf einen Schlag vorgeschrieben. Die Pflichtenhefte der Elsässer Appellationen stützen sich bis heute auf drei Texte aus den Fünfziger- und Sechzigerjahren. Das Gesetz von 1972 kam als vierter Baustein dazu - und regelt etwas anderes, als oft zu lesen ist.

Datum Rechtstext Inhalt
20. Mai 1955 Dekret Nr. 55-673 beschreibt die Flasche vom Typ „Vin du Rhin"
13. Mai 1959 Arrêté, im Amtsblatt vom 3. Juni 1959 behält die Flûte wenigen Appellationen vor, darunter dem Elsass
19. März 1963 Dekret in den Pflichtenheften als dritte Grundlage genannt
5. Juli 1972 Gesetz Nr. 72-628 AOC-Wein aus dem Elsass nur in Flaschen, abgefüllt nur im Bas-Rhin und Haut-Rhin
28. Mai 2021 Arrêté Zuckergehalt muss auf weißen AOC-Alsace-Weinen stehen
26. Mai 2025 zwei Arrêtés zusätzliche schlanke Flaschen für AOC Alsace und die 51 Grands Crus

Das Gesetz von 1972 regelt nicht die Form

Wer über die Flûte liest, stößt schnell auf den Satz, sie sei seit 1972 gesetzlich vorgeschrieben. Im Gesetzestext, unterzeichnet von Staatspräsident Georges Pompidou, steht davon nichts. Er bestimmt zwei Dinge. AOC-Wein aus dem Elsass darf nur noch in Flaschen transportiert, angeboten und verkauft werden. Und abgefüllt wird ausschließlich in den Départements Bas-Rhin und Haut-Rhin. Ausgenommen sind nur Transporte von Keller zu Keller innerhalb dieser beiden Départements.

Welche Flasche es sein musste, stand da längst in den Texten von 1955 und 1959. Das Gesetz zielte auf etwas anderes: den Fassweinhandel. Das Pflichtenheft der AOC Alsace hält fest, dass es nach einer Kundgebung von 4.000 Winzern in Colmar verabschiedet wurde, und nennt als Ziel, den aromatischen Charakter der Weine zu schützen - der hatte beim Transport in großen Mengen über weite Strecken gelitten.

Für Käufer hat das bis heute eine praktische Folge. Ein Wein mit AOC Alsace wurde im Elsass abgefüllt, egal unter welcher Marke er im Regal steht.

Welche Weine außer dem Elsass die Flûte tragen dürfen

Vier Flaschenformen hat die EU bestimmten Weinen vorbehalten: die Flûte d'Alsace, den Bocksbeutel, auch Cantil genannt, den Clavelin und die Tokajer Flasche. Die Hürde legt Artikel 56 der Verordnung 2019/33 fest. Eine Form muss seit mindestens 25 Jahren ausschließlich, tatsächlich und traditionell für einen Wein mit geschützter Herkunft verwendet worden sein, und Verbraucher müssen sie mit diesem Wein verbinden.

Für die Flûte nennt Anhang VII ausschließlich französische Weine:

Herkunftsbezeichnung Gegend Einschränkung laut Anhang
Alsace oder Vin d'Alsace Elsass keine
Alsace Grand Cru Elsass keine
Crépy Savoyen, Chablais keine
Château-Grillet nördliche Rhône keine
Côtes de Provence Provence nur Rot- und Roséwein
Cassis Provence keine
Jurançon, Jurançon sec Südwestfrankreich keine
Béarn, Béarn-Bellocq Südwestfrankreich nur Roséwein
Tavel südliche Rhône nur Roséwein

Zwei Einträge verdienen einen zweiten Blick. Crépy ist seit 2009 keine eigene Appellation mehr, sondern eine geografische Bezeichnung innerhalb der AOP Vin de Savoie: Chasselas aus drei Gemeinden im Chablais zwischen Thonon und Genf. Château-Grillet erlaubt als einzige Sorte Viognier, und hier ist die Flûte keine bloße Erlaubnis. Das Pflichtenheft schreibt die Flasche vom Typ Vin du Rhin zwingend vor, jede andere ist ausgeschlossen.

Die übrigen drei geschützten Formen gehören zu ganz anderen Weinen. Der gedrungene Clavelin fasst 0,62 Liter und ist dem Jura vorbehalten; für den Vin Jaune ist er laut Jura-Weinwirtschaft die einzige zulässige Flasche. Die Erklärung für das krumme Maß: Nach mindestens sechs Jahren und drei Monaten im Eichenfass bleiben von einem Liter Traubensaft rund 62 Zentiliter übrig. Die Tokajer Flasche besteht aus farblosem Glas und ist Süßweinen aus der Tokaj-Region in Ungarn und der Slowakei vorbehalten. Der Bocksbeutel ist unter Flaschenformen beschrieben.

Dass die Flûte-Liste nur französische Weine nennt, fällt in Deutschland und Österreich kaum auf. Hier ist die verwandte Schlegelflasche die häufigste Weißweinflasche überhaupt, und ein Riesling von der Mosel wird nicht zum Elsässer, nur weil er schlank verpackt ist.

Seit 2025: schlanke Geschwister für die Flûte

Siebzig Jahre lang war die Sache eindeutig. Das Pflichtenheft der AOC Alsace verlangte Flaschen vom Typ Vin du Rhin „à l'exclusion de tout autre type de bouteille", also unter Ausschluss jeder anderen Flasche. In der Praxis sah das weniger streng aus. Nach einem Bericht des Fachportals Vitisphere vom März 2024 hatte die Betrugsbekämpfungsbehörde DGCCRF Abweichungen von der vorgeschriebenen Form festgestellt. Die Branche diskutierte seit 2021 über eine Anpassung.

Der Verwaltungsrat des Winzerverbands AVA stimmte einstimmig dafür, zwei etwas ausladendere Glasmodelle zuzulassen, die unter den Namen „Bourgeoise" und „Renaissance" gehandelt werden. Im Vorschlag war Kunststoff nur für Kleinstgebinde unter 20 Zentilitern vorgesehen, etwa für Fluglinien. Bag-in-Box und Dosen blieben ausgeschlossen, klassische Burgunderformen ebenso.

Beschlossen wurde die Änderung am 26. Mai 2025 mit zwei Arrêtés: einem für die AOC Alsace, veröffentlicht im Amtsblatt vom 31. Mai 2025, und einem für die 51 Grand-Cru-Appellationen, veröffentlicht am 6. Juni 2025. Die Flasche vom Typ Vin du Rhin bleibt erlaubt. Daneben zugelassen sind Flaschen mit geradem, zylindrischem Körper und langgezogenem Hals, deren Proportionen je nach Größe in einem festen Rahmen liegen:

Inhalt Höhe : Bodendurchmesser Höhe : gerader Teil
300 cl 4,3 bis 5,0 2,4 bis 3,1
150 cl 4,8 bis 5,2 2,1 bis 3,1
100 cl 3,6 bis 5,0 2,1 bis 3,1
75 cl 3,8 bis 5,1 2,8 bis 5,0
50 cl 4,3 bis 5,1 2,5 bis 4,2
37,5 cl 4,3 bis 5,1 2,5 bis 5,2
unter 37,5 cl 3,3 bis 4,4 2,6 bis 3,0

Auffällig ist die Magnum. Mit 4,8 bis 5,2 hat sie den engsten Rahmen der Tabelle und muss schlanker bleiben als jede andere Größe. Die Literflasche darf dagegen am gedrungensten ausfallen.

Was die Zahlen in Zentimetern bedeuten

Verhältniszahlen sind abstrakt. Umgerechnet auf eine 75-cl-Flasche von 33 Zentimetern Höhe ergibt sich folgender Rahmen:

Bei 33 cm Höhe mindestens höchstens
Bodendurchmesser 6,5 cm 8,7 cm
Länge des geraden Teils 6,6 cm 11,8 cm

Eine Flûte nach dem EU-Idealmaß läge bei 6,6 Zentimetern Durchmesser und 11 Zentimetern geradem Körper. Die Handelsflasche mit 7,5 Zentimetern sitzt ziemlich genau in der Mitte des neuen Rahmens. Nach oben ist Platz: Bis zu 8,7 Zentimeter Breite sind jetzt erlaubt, so viel wie bei manchen Bordeaux- und Burgunderflaschen (Maße unter Höhe und Durchmesser).

Die Silhouette einer Bordeauxflasche bleibt trotzdem ausgeschlossen, und dafür sorgt die zweite Zahl. Der gerade Teil darf bei 75 Zentilitern höchstens gut ein Drittel der Höhe ausmachen, bei 33 Zentimetern also 11,8. Der Rest muss als Schulter und Hals allmählich zulaufen. Eine Flasche mit langem geradem Körper und hoch angesetzter Schulter fällt damit heraus.

Für Käufer heißt das: Eine Elsass-Flasche, die kräftiger wirkt als gewohnt, ist kein Etikettenschwindel. Schlank bleibt sie auf jeden Fall. Ein Elsässer Pinot Noir in der bauchigen Burgunderflasche trägt dagegen entweder keine AOC Alsace, oder die Flasche widerspricht dem Pflichtenheft.

Crémant, Pinot Noir, Grand Cru: was in welche Flasche kommt

Die Flûte-Pflicht betrifft nur stillen Wein, und im Elsass ist das eine spürbare Einschränkung. Nach der Wirtschaftsbilanz des Statistikamts INSEE hat das Elsass 2024 rund 120 Millionen Flaschen ausgeliefert, davon 40,9 Millionen Crémant d'Alsace. Das ist ein Drittel der Menge. Stillweine gingen zurück, Crémant legte weiter zu.

Crémant d'Alsace

Für den Schaumwein verlangt das Pflichtenheft des Crémant d'Alsace keine bestimmte Silhouette, sondern etwas anderes: Er wird in der Flasche verkauft, in der die zweite Gärung stattgefunden hat. Ausnahmen gelten nur unter 37,5 und über 150 Zentilitern. Diese Flasche muss dem Druck der Kohlensäure standhalten, deshalb steht der Crémant in derselben dickwandigen Form wie Champagner und Sekt - beschrieben unter Champagnerflasche.

Rotwein und Rosé

Rot- und Roséwein der AOC Alsace werden unter dem Namen Pinot Noir verkauft, der Rosé darf auch Clairet oder Schillerwein heißen. Beide kommen in die Flûte oder eine der neuen schlanken Formen, genau wie Riesling und Gewürztraminer.

Seit 2022 gibt es auch roten Grand Cru. Das Arrêté vom 9. Mai 2022 hat Pinot Noir für die Lagen Hengst und Kirchberg de Barr zugelassen. Eine Ausnahme bei der Flasche kennt das Grand-Cru-Pflichtenheft dafür nicht. Wer Pinot Noir mit der bauchigen Burgunderflasche verbindet, muss im Elsass umdenken.

Vendanges Tardives und Sélection de Grains Nobles

Die süßen Spezialitäten, Vendanges Tardives aus später Lese und Sélection de Grains Nobles aus edelfaulen Beeren, stehen in derselben Flaschenfamilie. Auf dem Etikett verlangt das Pflichtenheft den Jahrgang und eine von fünf Sorten: Gewurztraminer (im Elsass ohne Umlaut geschrieben), Muscat, Muscat Ottonel, Pinot Gris oder Riesling. Für die kleineren Gebinde solcher Weine sieht die Neuregelung von 2025 eigene Proportionen für 50 und 37,5 Zentiliter vor.

Trocken oder süß: Die Flasche verrät es nicht

Ein knochentrockener Riesling und ein süßer Gewürztraminer sehen im Regal gleich aus. Seit dem Arrêté vom 28. Mai 2021 gibt es dafür eine Pflicht: Weiße Weine der AOC Alsace müssen ihren Zuckergehalt „in sehr gut sichtbaren Buchstaben" angeben. Ausgenommen sind Vendanges Tardives und Sélection de Grains Nobles. Kontrolliert wird ab dem Jahrgang 2021.

Die Angabe gehört auf das Etikett und ebenso in Anzeigen, Prospekte, Preislisten und Rechnungen, wie die Straßburger Weinkontrolle der Behörde DREETS Grand Est in einem Merkblatt klarstellt. Erlaubt sind die vier EU-Begriffe als Wort oder eine Skala mit diesen vier Stufen. Deren Zeiger muss eindeutig auf eine Stufe weisen, ein Zeiger zwischen zwei Stufen ist unzulässig.

Angabe Zuckergehalt
sec (trocken) bis 4 g/l, oder bis 9 g/l, wenn die Gesamtsäure höchstens 2 g/l unter dem Zuckergehalt liegt
demi-sec (halbtrocken) darüber bis 12 g/l, oder bis 18 g/l, wenn die Gesamtsäure höchstens 10 g/l unter dem Zuckergehalt liegt
moelleux (lieblich) darüber bis 45 g/l
doux (süß) ab 45 g/l

Beim Riesling hilft zusätzlich eine eigene Regel des Pflichtenhefts. Ein Riesling mit der schlichten Bezeichnung AOC Alsace darf nach der Gärung höchstens 9 Gramm Zucker je Liter enthalten, bei einer Gesamtsäure über 6 Gramm höchstens 12 Gramm. Wurde der Most angereichert, sind es höchstens 6 Gramm. Mehr ist nur bei Vendanges Tardives, Sélection de Grains Nobles und Weinen mit Gemeinde- oder Lagenbezeichnung erlaubt. Wer einen einfachen Elsässer Riesling kauft, bekommt also keinen lieblichen oder süßen Wein.

Beim Crémant ist die Angabe ohnehin EU-Pflicht, mit sieben Stufen von brut nature bis doux. Brut bedeutet dabei weniger als 12 Gramm Zucker je Liter.

Elsass-Wein im Regal erkennen

Die Form allein beweist nichts. In einer schlanken Flasche kann genauso ein Mosel-Riesling, ein Grüner Veltliner oder ein Rosé aus Tavel stecken. Zusammen mit dem Etikett ist die Sache aber schnell klar:

  • Herkunft: „Alsace" oder „Vin d'Alsace", bei den Spitzenlagen „Alsace Grand Cru" mit dem Namen der Lage.
  • Rebsorte: Zwei Sortennamen auf demselben Etikett verbietet das Pflichtenheft. Ein Edelzwicker ist ein Verschnitt und darf gar keinen Sortennamen tragen.
  • Zuckerangabe: bei weißen AOC-Alsace-Weinen ab Jahrgang 2021 sec, demi-sec, moelleux oder doux, als Wort oder auf einer Skala.
  • Süße Spezialitäten: Vendanges Tardives und Sélection de Grains Nobles immer mit Jahrgang und Rebsorte.
  • Abfüllort: muss nicht gesucht werden. Seit 1972 wird jeder Wein mit AOC Alsace im Elsass abgefüllt.

Wie das im Handel aussieht, zeigt die Elsass-Seite von weinonaut.at: Riesling, Gewürztraminer, Pinot Gris und Muscat von Erzeugern wie Trimbach, Josmeyer, Bott-Geyl und Domaine Weinbach, mit Angeboten mehrerer Händler.

Häufige Fragen

Warum ist die Elsässer Weinflasche so schlank?

Die Form stammt aus der Rheinweintradition, der französische Amtsname lautet bis heute Flasche vom Typ „Vin du Rhin". Die gängige Erklärung für den schmalen Wuchs ist der Transport auf dem Rhein, wo schlanke Flaschen dichter gepackt werden konnten. Beschrieben ist die Form seit 1955 in einem Dekret, seit 1959 ist sie dem Elsass und wenigen anderen Appellationen vorbehalten.

Ist die Flûte d'Alsace dasselbe wie eine Schlegelflasche?

Sie gehört zur selben Familie. Im deutschen Sprachraum heißt die schlanke Weißweinflasche Schlegel- oder Hochflasche, die Flûte ist ihre elsässische Spielart. Im EU-Anhang der geschützten Flaschenformen stehen bei der Flûte allerdings nur französische Weine.

Darf ein Elsass-Wein in einer Burgunderflasche verkauft werden?

Nicht als AOC Alsace oder Alsace Grand Cru. Seit 2025 sind neben der klassischen Flûte etwas breitere Flaschen erlaubt, aber nur mit geradem Körper, langem Hals und festgelegten Proportionen. Eine Burgunder- oder Bordeaux-Silhouette fällt nicht darunter.

Warum steht Crémant d'Alsace nicht in der Flûte?

Die Flûte-Regel gilt nur für stille Weine. Crémant muss in der Flasche verkauft werden, in der die zweite Gärung stattgefunden hat, und diese Flasche muss dem Kohlensäuredruck standhalten. Das leistet die dickwandige Schaumweinflasche.

Muss Elsass-Wein im Elsass abgefüllt werden?

Ja. Seit dem Gesetz vom 5. Juli 1972 dürfen Weine der AOC Alsace nur in den Départements Bas-Rhin und Haut-Rhin abgefüllt und nur in Flaschen verkauft werden. Ausgenommen sind lediglich Transporte zwischen Kellern innerhalb dieser beiden Départements.

Welche Größen gibt es bei der Flûte?

Die 75-cl-Flasche ist der Standard. Die Neuregelung von 2025 nennt eigene Proportionen für 300, 150, 100, 75, 50 und 37,5 Zentiliter sowie für kleinere Gebinde. Die Magnum mit 150 Zentilitern muss dabei besonders schlank sein: Ihre Höhe beträgt das 4,8- bis 5,2-Fache des Bodendurchmessers.

Welche Weine außerhalb des Elsass dürfen die Flûte verwenden?

Laut EU-Anhang Crépy aus Savoyen, Château-Grillet von der nördlichen Rhône, Rot- und Roséwein der Côtes de Provence, Cassis, Jurançon sowie Rosé aus Béarn und Tavel. Château-Grillet schreibt die Flasche in seinem Pflichtenheft sogar zwingend vor.

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